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29. Juli 2013

Der Dessauer Tobias Schneider sprintet bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in Lyon als Guide für den sehbehinderten Thomas Ulbricht zu Silber über die 400 Meter. Dabei wollte er seine Karriere eigentlich schon beenden

Einen aktuellen Leichtathletik-Vize-Weltmeister aus Dessau-Roßlau? Den gibt es. Seit Sonnabend. An der Seite des sehbehinderten Thomas Ulbricht ist der frühere Aktive des LAC Dessau, Tobias Schneider, bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in Lyon über 400 Meter zu Silber gesprintet.

„Es ist einfach wunderbar, dass das alles so geklappt hat“, erzählt Schneider kurz nach der Rückkehr in die Wahlheimat Berlin. Noch im Frühjahr dieses Jahres hatte der 28-Jährige darüber nachgedacht, seine Behindertensport-Karriere als Guide (Führer) zu beenden. Sein damaliger Partner Matthias Schröder, mit dem er seit 2010 lief, hatte aufgehört. Zusammen waren beide 2011 bei den Weltmeisterschaften in Neuseeland auch Zweite über 400 Meter geworden und hatten es 2012 zu den Paralympics nach London geschafft. Diese endeten jedoch mit einer Enttäuschung. Das Duo Schneider/Schröder schied schon im Vorlauf aus.

Vielleicht war es auch der Wille, so nicht abtreten zu wollen, der bei Schneider im Inneren den Ausschlag gab, doch weiter zu machen. Zumal sich bei seinem Verein PSC Berlin eine interessante Perspektive aufgetan hatte. Der ehemalige Fünfkämpfer Thomas Ulbricht war auf die Sprintstrecke gewechselt und suchte nun nach einem Guide für die 400 Meter. Im Frühjahr begannen beide mit dem gemeinsamen Training und harmonierten von Anfang an. Schneider schreibt zwar die Trainingspläne, aber „im Endeffekt coachen wir uns gegenseitig“, erzählt der Dessauer.

Und das mit Erfolg, wie bei der WM in Lyon zu sehen war. Binnen eines halben Jahres in die Weltspitze zu laufen, das muss ihnen erst einmal jemand nachmachen. Schneider sieht das Duo zudem noch nicht am Ende des Weges. „Thomas hat einiges an Potenzial“, so Schneider.

Die Paralympics 2016 in Rio sind momentan aber kein festes Ziel. „Wir denken von Jahr zu Jahr“, betont Schneider. Im kommenden stehen die Europameisterschaften an. Da wollen Schneider/Ulbricht den in Lyon siegreichen Russen Jegor Sharow angreifen. „Dieses Jahr war er noch nicht zu knacken“, sagt Schneider mit der Betonung auf dieses. Eineinhalb Sekunden war der Russe schneller. Das sollte sich aufholen lassen. „Wir wollen 2014 eine 49er Zeit anbieten“, nimmt sich das ehrgeizige Vize-Weltmeister-Duo für die nächste vor.

Der Dessauer Tobias Schneider (links) als Guide an der Seite von Thomas Ulbricht beim Silberlauf über 400 Meter während der Behinderten-Weltmeisterschaften am Sonnabend in Lyon. (BILD: MARCUS HARTMANN)


Mitteldeutsche Zeitung von FRANK HARNACK