Hier befinden Sie sich:


27.08.2016

Ziel: Eine Medaille in Rio

Altmark. In Rio de Janeiro werden vom 7. bis 18. September 2016 die XV. Paralympischen Sommerspiele ausgetragen. Mit dabei ist auch der gebürtige Salzwedeler Thomas Ulbricht, der in der brasilianischen Metropole seine vierten Paralympics erlebt.

In Athen 2004 als Fünfter über 400-Meter und London 2012 als Sechster über 100-Meter verpasste der 31-Jährige jeweils nur knapp eine Medaille, in Peking 2008 holte der Wahl-Berliner Silber im Siebenkampf. „In Rio möchte ich mir noch einmal einen Medaillentraum erfüllen“, so Thomas Ulbricht, der am kommenden Mittwoch von Berlin über Frankfurt nach Rio fliegt.

Dort findet am 7. September im berühmten „Maracana“ die Eröffnungfeier statt, bereits am nächsten Morgen steht für Thomas Ulbricht im Estadio Olímpico „Engenhão“ der Vorlauf über 400-Meter auf dem Programm. In dieser Disziplin rechnet sich der stark sehbehinderte Sportler gute Final- und Medaillenchancen aus.

Bis dahin muss Ulbricht seine derzeitigen Probleme mit einer Wade in den Griff bekommen. „Derzeit ist nur Schwimmen und Radfahren angesagt. Die Vorbereitung läuft nicht gerade optimal“, berichtet der Altmärker, der sich noch immer ein wenig darüber ärgert, dass der Siebenkampf bereits vor London aus dem Programm der Paralympics gestrichen wurde.

Am 9. September findet das Finale über 400-Meter, einen Tag später geht es im Weitsprung um die Medaillen. Vom 13. bis 15. September sind Vorlauf, Semifinale und Endlauf über 100-Meter vorgesehen. Für diese Disziplin hat Thomas Ulbricht nachgemeldet, nach dem Ausschluss Russlands fehlen in dieser Disziplin zwei starke Läufer, was natürlich die Chancen aller anderen Starter verbesserte. Weiter geht es für den mehrfachen Titel- und Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften am 16. September mit dem Vorlauf über 200-Meter. Am gleichen Tag steigt noch das Semifinale, einen Tag später der Endlauf. Somit muss Thomas Ulbricht ein prall gefülltes Programm absolvieren, immer in der Hoffnung, dass die Wade hält.

Seine Läufe bestreitet der Salzwedeler, der einst von Heike Dissing an der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Tangerhütte für die Leichtathletik entdeckt wurde und seit 2003 in Berlin von Bundestrainer Dr. Ralf Otto trainiert wird, diesmal ohne einen nicht behinderten Guide, den Sehbehinderte zumeist an ihrer Seite haben. Für Thomas Ulbricht, der nur Umrisse von Personen erkennen kann, kein Problem, stehen doch jedem Läufer zwei Bahnen zur Verfügung, die der Salzwedeler „im Gefühl“ hat. Beim Weitsprung wird indes aus einer Zone gesprungen.

Apropos Guide: Im Internet macht ein Video die Runde, das Jamaikas Superstar Usain Bolt beim Training mit einer Läuferin aus Brasilien zeigt. Nur Werbung für die Paralympics oder ein ernsthaftes Vorhaben des neunfachen Olympiasiegers? Auch Thomas Ulbricht hat davon gehört und kann sich Bolt als Guide durchaus vorstellen und würde sich freuen. „Wenn er dabei ist, wäre das für uns Behindertensportler eine große Anerkennung und es würde die Aufmerksamkeit für uns deutlich steigern.“

Auch Mutter Kerstin sitzt in Salzwedel bereits auf gepackten Koffern und mit Karten für die Leichtathletik-Wettbewerbe ihres Sohnes im Gepäck. „Das werden wahrscheinlich seine letzten Paralympics sein. Noch dazu in Rio. Und vielleicht klappt es noch einmal mit einer Medaille.“

Von Renee Sensenschmidt