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Mein Sport und ich

Immer wieder werde ich gefragt, wie bist Du zum Sport gekommen und wie klappt dass mit Deinem Handicap. Nun habe ich mich mal hingesetzt und habe alles aufgeschrieben, um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.


Kindheit – Die Augen werden schlechter

Bis zu meinem 8. Geburtstag verlief mein Leben eigentlich in ganz normalen Bahnen. Eine Brille musste ich schon seit dem Kindergarten tragen, da bei mir eine Hornhautverkrümmung festgestellt wurde.

Kurz nach meinem 8. Geburtstag musste ich den Augenarzt wechseln, der stellte sofort fest, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmte. Er überwies mich an die Universitätsklinik Magdeburg. Dort wurde nach unendlich vielen Tests festgestellt, dass ich an einem Gendefekt leide, mit dem Namen Zäpfchen Stäbchen Dystrophie.


Jugend – Das Leben muss umgestellt werden

Mit 11 Jahren war es dann nicht mehr möglich auf eine normale Schule zu gehen. Nach vielen bitteren Tränen kam ich an eine Schule für Blinde und Sehbehinderte in Tangerhütte. Nicht nur die Schule, sondern auch das Internat und das Arbeiten mit den Hilfsmitteln waren für mich eine riesige Umstellung.

Im Internat gab es die Regel: von 13.00 – 14.30 Uhr Mittagsruhe. Das war natürlich nichts für mich, also suchte ich nach einem Ausweg und der war schnell gefunden. Das Zauberwort hieß Sport. Die sportlichen Aktivitäten waren grundsätzlich in der Zeit der Mittagsruhe. Also begann ich zuerst mit Schwimmen, dann mit Bosseln und zu guter Letzt fing ich mit der Leichtathletik an. Meine Trainerin Heike Dissing war in dieser Zeit immer für mich da.


Erste sportliche Erfolge

Mein erster großer Erfolg waren dann die Int. Deutschen Meisterschaften in Berlin 2003. Mein erster Start und ich holte 3 x Gold, 1x Silber und 1x Bronze.

Der Bundestrainer Dr. Ralf Otto sah sich die Wettkämpfe an und lud mich daraufhin zu einem Sichtungslehrgang nach Kienbaum ein. Dieser fand im Oktober 2003 statt. Danach stand fest, es musste mit der Leichtathletik weiter gehen. Dr. Otto wollte mich unbedingt nach Berlin holen, aber dafür mussten erst die Voraussetzungen geschaffen werden.

In Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt Berlin suchten wir einen Ausbildungsplatz. Dieser wurde schnell gefunden. Nach einem Eignungstest an der bbw Akademie Berlin stand fest, dass ich dort eine Ausbildung zum Groß –und Außenhandelskaufmann absolvieren werde. Der Olympiastützpunkt Berlin stellte mir ein Zimmer in der Herberge zur Verfügung und nun stand einem Umzug nach Berlin nichts mehr im Wege.


Berlin, Berlin

Trotz der großen Anfangsschwierigkeiten in Berlin,…

…wie falsche S-Bahn benutzen, zu spät ausgestiegen, Straßen nicht gefunden, alles Probleme die ich als Sehbehinderter aus einer Kleinstadt nicht kannte, hieß mein großes Ziel Paralympische Spiele 2004 in Athen. Ich trainierte hart für dieses Ziel, denn ich musste ja auch noch in der Ausbildung klar kommen.

Ich war in der Klasse der einzige Sportler mit einem Handicap. Das war ganz sicher nicht immer leicht, aber auch da habe ich mich durchgebissen. Bedingt durch die Arbeit mit einem Lesegerät, das heißt dass man sein Buch unter eine Kamera legt und den Text über einen Monitor in der entsprechenden Größe lesen kann. Dies ist aber sehr mühselig und zeitaufwendig, da man sich in jeder Zeile neu orientieren muss.


Paralympics 2004

Im Mai 2004 stand dann fest, dass ich mit zu den Paralympics nach Athen durfte. Als ich dann im Olympiastadion von Athen stand, ging mir ein riesiger Schauer über den Rücken. Was für eine Atmosphäre?! Ich beendete meinen ersten internationalen Wettkampf mit Platz 5 im 400m Lauf. Klasse oder?

Ich war mir sicher, da geht noch mehr. Es folgten verschiedene Wettkämpfe und es wurde klar, dass meine Zukunft im Fünfkampf liegen sollte. Der Fünfkampf enthält folgende Disziplinen: der Weitsprung, das Speerwerfen, der 100m Lauf, der Diskuswurf und abschließend der 1500m Lauf.

Unsere Schadensklassen werden in 3 Klassen unterteilt:

B1
heißt blind
B2
meine Klasse – hochgradig sehbehindert
B3
sehbehindert

Mein Fünfkampf bis heute

Mein erster Fünfkampf fand bei den Europameisterschaften in Helsinki 2005 statt. Leider gab es im Vorfeld einige Probleme, sodass ich mich nicht auf den Wettkampf einlassen konnte und am Ende hieß es Platz 4. Nach den Europameisterschaften habe ich mich dann von meinem damaligen Trainer Matthias Pollich getrennt.

Ich wurde nun nicht mehr nur von Dr. Ralf Otto (PSC Berlin) trainiert, sondern auch noch von Lutz Kramer (AC Berlin). Dr. Otto übernahm das Wurftraining und Herr Kramer den Lauf und den Sprung. Anfangs gab es große Umstellungsprobleme, aber ich wusste dass dieser Weg der richtige ist. Das sollte sich dann auch schnell bestätigen.

2006 fanden in Assen (Holland) die Weltmeisterschaften statt. Eine Medaille im Fünfkampf war das große Ziel, dass es am Ende Gold sein würde, hätte wohl im Vorfeld niemand für möglich gehalten. Dazu kam dann auch noch Bronze mit der 4×100m Staffel. Das war der Lohn für die harte Arbeit.

In diesem Jahr habe ich nun meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Durch die Zusammenarbeit des DBS und des Bundesinnenministeriums bekam ich als erster behinderter Sportler die Möglichkeit eine Anstellung als Sachbearbeiter in der BDBOS (Bundesanstalt für Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) zu erhalten. Nur durch die Unterstützung meines Arbeitgebers ist es mir heute möglich überhaupt noch Leistungssport zu betreiben.

2008 standen nun die 2. Paralympics auf dem Plan. Nach meinem Weltmeistertitel 2006 war das Ziel ganz klar eine Medaille. Am Ende reichte es für Silber.

Seit nunmehr 4 Jahren arbeite ich in der BDBOS als Sachbearbeiter, der Sport steht nach wie vor an erster Stelle in meinem Leben. Im nächsten Jahr finden meine 3. Paralympics in London statt. Leider wurde in diesem Jahr meine Disziplin der Fünfkampf gestrichen. Das war ein harter Schlag für mich. Nach vielen Gesprächen mit meinen Trainern haben wir zusammen entschieden, dass ich bei den Paralympics im 100 m, 200 m und in der 4 × 100 m Staffel starten werde. Es wird ein hartes Jahr, da ich ja 3 Jahre auf den Fünfkampf trainiert hatte.


Zurück zu den Wurzeln mit der Unterstützung meines Guide´s Tobias Schneider

Nachdem es bei den Paralympics 2012 in London mit dem 6. Platz im 100 m Lauf nicht so optimal gelaufen ist, musste ich mich mal wieder entscheiden wie es bei mir weitergehen sollte. Nachdem fest stand, das mein Trainingspartner Matthias Schröder seine sportliche Karriere im Januar 2013 beendet, war sein Guide Tobias Schneider sozusagen “arbeitslos”. Tobias seine Paradedisziplin war der 400 m Lauf und da ich bereits erste Erfahrungen mit dem 400 m Lauf hatte, wollten wir es beide zusammen probieren. Seid Februar diesen Jahres ist Tobias Schneider also nun mein Guide. Es läuft einfach perfekt, weil wir seid dieser Zeit auch zusammen trainieren und uns gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unser erster Höhepunkt sollten die Int. deutschen Meisterschaften in Berlin werden, wo ich die Goldmedaille gewann.

Am Wochenende fanden nun die IPC Weltmeisterschaften 2013 in Lyon statt. Dort holte ich Silber in neuer persönlicher Bestzeit von 50.,61 sec. Es war also die richtige Entscheidung. Und was soll ich sagen, wenn es so weitergeht, können die Paralympics in Rio de Jainero 2016 kommen.


Noch Fragen?

Soweit erst einmal zu mir, …

…wenn ich was vergessen haben sollte, was Euch interessiert, dann könnt Ihr mir jederzeit eine Mail schicken. Ich werde mich bemühen, Eure Fragen so schnell wie möglich zu beantworten.